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Hilfe für die Helfenden

Wenn Krebs den Familienalltag bestimmt

Krebs betrifft nie nur die erkrankte Person allein. Angehörige sind in dieser Situation die wichtigste Stütze der erkrankten Person, leiden aber mit und sind selbst oft genauso stark emotional belastet. Häufig wird das nicht so wahrgenommen. Für die Bewältigung dieser Aufgabe kann deshalb auch für Angehörige Unterstützung hilfreich sein.

Angehörige von Krebspatienten sind in einer Doppelrolle. Einerseits sind sie die wichtigste Quelle seelischer Unterstützung für die Betroffenen, andereseits haben aber auch sie Sorge um die Organisation des Alltags, um die Zukunft und möglicherweise Angst vor dem Verlust des geliebten Menschen. In der Regel gestehen sie sich selbst aber nur die erste Rolle zu. Häufig werden sie gefragt: „Wie geht es Deiner Frau/ Deinem Mann/ Deiner Mutter/etc.?“ Kaum jemand fragt danach, wie es ihnen selbst geht. Das erkrankte Familienmitglied wird zum zentralen Thema des Lebens von Angehörigen. Eigene Probleme und Sorgen rücken in den Hintergrund, da sie als bedeutungslos angesehen werden. Oft verfolgen auch Angehörige eigene Hobbys und Interessen nicht mehr, z.T. aus organisatorischen Gründen, wenn einfach keine Zeit dafür bleibt, machmal aber auch, weil sie dann ein schlechtes Gewissen dem Erkrankten gegenüber haben.

Die so veränderte Lebenssituation kann dazu führen, dass Angehörige selbst stark belastet sind oder gar im weiteren Verlauf krank werden. Nicht selten sind sie überreizt, leiden an Schlafstörungen und entwickeln depressive Symptome – die ganze Bandbreite psychosomatischer Erkrankungen. Es gibt jedoch Strategien und Hilfsangebote, um dies abzumildern oder zu vermeiden.

Angehörige stärken – Krankheitsbewältigung verbessern

Die eigene Situation realistisch sehen, Belastungen benennen, eigene Grenzen erkennen und vor allem eigene Bedürfnisse und Wünsche wahrnehmen: Das alles kann helfen, eine dauerhafte Überforderung zu vermeiden. Ein offenes Gespräch auch über die eigenen Ängste und Sorgen kann sehr entlastend sein. Dürfen Angehörige denn die erkrankten Familienmitglieder mit ihren eigenen Gedanken, Gefühlen, Grenzen und Bedürfnissen „belästigen“?

Patienten sagen selbst immer wieder, dass es für sie sehr tröstlich ist, wenn sie hören und spüren, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein sind, sondern ihre Angehörigen sich ebenfalls Sorgen machen und Ängste haben. Oft lassen sich dann im Gespräch auch leichter gemeinsame Lösungen finden.

Auch Freunde empfinden es oftmals als großen Vertrauensbeweis, wenn sich ein Angehöriger ihnen in dieser Situation anvertraut.

Mancherorts gibt es spezielle Gruppen für Angehörige. Dort steht der Austausch, die gegenseitige Unterstützung und Ermutigung im Vordergrund. Häufiges Thema ist auch das Erkennen und Wahren der eigenen Grenzen, was besonders schwierig ist.

Sowohl Krebsberatungsstellen als auch Psychoonkologen stehen selbstverständlich auch allen Angehörigen zur Verfügung. Nach einigen Einzelgesprächen können dort auch mehrere Familienmitglieder zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen kommen. Durch die Anwesenheit einer „neutralen Person“ werden so oft Dinge besprechbar, die allein in der Familie nicht besprochen werden konnten.

Für manche Angehörige genügt es auch, dass sie weiter ihrem Sport, ihrem Hobby oder einem anderen Ausgleich nachgehen können.

In jedem Fall tut es Patienten und Angehörigen gleichermassen gut, wenn alle Beteiligten auf demselben Informationsstand sind, indem z.B. die wichtigen Gespräche mit den Ärzten gemeinsam geführt werden.

Was steht Angehörigen zu?

Neben den oben genannten Unterstützungsmöglichkeiten, werden in Deutschland Rehabilitationsleistungen von gesetzlichen Krankenkassen, von Renten- und Unfallversicherungen getragen. Grundsätzlich können solche Angebote auch für Angehörige von Krebspatienten übernommen werden. Es besteht allerdings kein gesetzlicher Anspruch darauf. Deshalb muss im Einzelfall gemeinsam mit Betroffenen, Ärzten und dem Rehabilitationsteam beraten werden, welcher Weg eingeschlagen werden soll:

  • Es kann eine eigenständige Rehabilitationsmaßnahme für den Angehörigen beantragt werden, um dessen Arbeitsfähigkeit zu erhalten und psychosomatischen Erkrankungen vorzubeugen
  • Der Angehörige kann die erkrankte Person in die Rehabilitationsmaßnahme begleiten, muss dann aber häufig seinen Aufenthalt selbst finanzieren

Lassen Sie sich in der Krebsberatungsstelle und von Ihrer Krankenkasse in diesen Fragen beraten und fragen Sie auch nach speziellen Angeboten für Angehörige.

Weiterführende Informationen

Die „blauen Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe enthalten umfassende Informationen zu Hilfsangeboten für Angehörige und Sozialleistungen.

Bei der Beantwortung medizinischer und sozialrechtlicher Fragen helfen die Beratungsstellen der Krebsgesellschaften. Sie sind auch ein kompetenter Ansprechpartner bei der Suche nach passenden Selbsthilfegruppen und psychosozialen Betreuungsangeboten.

Wenn Sie auf der Suche nach einer geeigneten Rehabilitationseinrichtung sind, finden Sie diese unter www.reha-servicestellen.de nach Leistungsträgern und Regionen gegliedert. Die Reha-Servicestellen helfen bei der Ermittlung des Hilfsbedarfs, der zuständigen Einrichtung und der Antragstellung.

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