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Nebenwirkungen der Stammzelltherapie

Wenn das Transplantat den Körper angreift

Bei einer Stammzelltransplantation sind viele Nebenwirkungen durch die vorangehende Hochdosis-Chemotherapie bedingt. Aber es gibt auch eine Nebenwirkung, die typisch für die allogene Stammzelltransplantation ist: die Graft-versus-Host-Reaktion.

Unter Stammzelltransplantation versteht man die Übertragung von Blutstammzellen von einem Spender zu einem Empfänger. Dabei kann es sich bei Spender und Empfänger um ein und dieselbe Person handeln (autologe Transplantation) oder um zwei verschiedene Personen (allogene Transplantation).

Die meisten unmittelbaren oder frühen Komplikationen nach Stammzelltransplantationen treten in der Aplasiephase (Vorübergehender Blutzellmangel) auf und sind in der Regel Folge der Hochdosis-Chemotherapie. Dazu gehören unter anderem Haarausfall, Übelkeit und wunde Schleimhäute, z.T. mit Entzündungen (z.B. Mundsoor) und fieberhafte Infekte .

Es gibt jedoch eine Nebenwirkung, die ausschließlich typisch für eine allogene Stammzelltransplantation ist: die Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR), auf Deutsch Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (engl. GvHD graft versus host disease)

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um eine Immunreaktion der transplantierten Zellen des Spenders, die sich gegen den Körper des Patienten, richtet. Denn Spender und Empfänger müssen zwar eine gewisse Übereinstimmung von Gewebemerkmalen haben, aber es gibt immer auch Unterschiede. Deshalb kann es sein, dass die übertragenen Immunzellen des Spenders das Gewebe des Empfängers als fremd erkennen und es angreifen.

Vorbeugen

Um das Auftreten einer GvHR zu verhindern, werden während der ersten Zeit nach der Transplantation Medikamente verabreicht, die eine Reaktion der Immunzellen verhindern, so genannte Immunsuppressiva. Manchmal lässt sie sich aber dennoch nicht vermeiden.

Es gibt zwei Typen der GvHR: akut und chronisch. Bei beiden sind hauptsächlich folgende Organe betroffen:

  • Haut

  • Leber

  • Darm

Akute GvHD

Die akute GvHD tritt der Definition nach direkt bis zu hundert Tagen nach der Transplantation auf. Sie verläuft dynamischer. Oft macht sie sich bemerkbar durch:

  • einen juckenden, fleckigen Hautausschlag im Gesicht, am Dekolleté oder am Rücken

  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, blutigen Stuhl

  • Gelbfärbung der Augen und der Haut

Bei einem dieser Symptome müssen Sie sich umgehend mit Ihrem Transplantationszentrum in Verbindung setzen. Die Ärzte werden dann über die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen oder Therapien entscheiden.

Die akute GvHR kann wieder abklingen, wenn sich die transplantierten Immunzellen an ihre neue Umgebung „gewöhnt“ haben. Ist dies der Fall, greifen sie nicht weiter die Zellen des Empfängers an. Man spricht von Immuntoleranz.

Chronische GvHR

Die chronische GvHR tritt nach mindestens 100 Tagen nach der Transplantation auf. Sie kann sich aus einer akuten GvHD entwickeln oder ohne vorangehende Symptome entstehen. Man geht davon aus, dass sich in ihrem Fall die transplantierten Immunzellen nicht an die neue Umgebung gewöhnen, es tritt keine ausreichende Immuntoleranz auf. Die häufigsten Symptome sind:

  • Hautveränderungen

  • Trockenheit von Schleimhäuten, z.B. Mundtrockenheit

  • Trockenheit der Bindehäute der Augen

  • Husten, Kurzatmigkeit

Allerdings kann man nicht strickt nach dem Zeitpunkt des Auftretens erster Symptome diagnostizieren, um welchen Typ es sich handelt. Es gibt frühe chronische und späte akute Formen.

Die Erkrankung sollte sowohl in der akuten als auch in der chronischen Variante ernst genommen werden, denn sie kann lebensbedrohlich sein. Umso wichtiger ist es, dass Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten, sobald Ihnen an sich etwas auffällt.

Behandlung

Zur Behandlung einer GvHR wird Kortison in Kombination mit anderen Immunsuppressiva angewandt. In manchen Fällen kann zusätzlich ein vorbeugendes Antibiotikum und/oder Antipilzmittel verabreicht werden. Ansonsten wird gerade bei der chronischen GvHR versucht die Symptome so stark wie möglich abzumildern.

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