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Pflege von Angehörigen

Was erleichtert die Versorgung zu Hause?

Krebspatienten können infolge einer Operation oder eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums kurzzeitig oder dauerhaft pflegebedürftig sein. Dann haben nahe Angehörige oftmals den Wunsch, die Pflege selbst zu übernehmen.

Ist ein naher Verwandter oder der Partner auf die Pflege durch andere angewiesen, ist es für viele Angehörige selbstverständlich, die Versorgung selbst zu übernehmen. Allerdings unterschätzen viele anfangs, wie anstrengend es ist, einen pflegebedürftigen Menschen zu Hause zu betreuen. Wer daneben noch berufstätig ist oder den eigenen Familienalltag bewältigen muss, kommt schnell an seine Grenzen.

Möglichkeiten der Entlastung

Pflegekurse und Schulungen
Viele Angehörige, die die Pflege eines Familienmitglieds übernehmen, haben keine pflegerische Erfahrung. Der Austausch mit anderen Pflegenden und praktische Anleitungen und Kenntnisse durch ausgebildete Pflegekräfte, die für die häusliche Pflege wichtig sind, können ihnen in ihrer Situation helfen. In kostenlosen Pflegekursen, die von den Pflegekassen oder anderen geeigneten Einrichtungen für Angehörige von Pflegebedürftigen oder sonstige an einer ehrenamtlichen Pflegetätigkeit interessierte Personen angeboten werden, können sie informiert und beraten werden. Individuelle Schulungen im häuslichen Umfeld des Pflegebedürftigen können einen zusätzlichen Beitrag leisten. Zudem tragen Kurse und Schulungen zur körperlichen und psychischen Entlastung der pflegenden Angehörigen bei.

Themen der Pflegekurse sind Fertigkeiten zur eigenständigen Durchführung der Pflege wie beispielsweise:

  • Umgang mit Medikamenten und Pflegehilfsmitteln
  • Körperpflege, Lagerungsmethoden, richtige Ernährung und Bewegung
  • Entlastungsmöglichkeiten für Pflegepersonen
  • Rechtliche Grundlagen der Pflegeversicherung

Wohnraumanpassung
Auch durch Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen, zum Beispiel durch technische Hilfen im Haushalt, kann die häusliche Pflege erheblich erleichtert werden. Kosten dafür können unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflegekasse bezuschusst werden, soweit sie die häusliche Pflege ermöglichen, erheblich erleichtern oder eine möglichst selbständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherstellen. Die Zuschüsse dürfen einen Betrag in Höhe von 4 000 € je Maßnahme nicht übersteigen. Sie kommen nur für Pflegebedürftige in Betracht, die als pflegebedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuchs XI anerkannt und in eine Pflegestufe eingruppiert worden sind. Leben mehrere Pflegebedürftige in einer gemeinsamen Wohnung, ist der Gesamtbetrag auf 16 000 € begrenzt und wird anteilig auf die Versicherten aufgeteilt (§ 40 IV SGB XI).

Beispiele für bauliche Veränderungen sind:

  • Badewanneneinstiegshilfe
  • ebenerdiger Zugang zur Dusche
  • Türverbreiterung
  • Absenkung von Küchenschränken

Ersatzpflege bei Urlaub oder Krankheit des Pflegenden und Kurzzeitpflege

Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse für einen im Sinne des Sozialgesetzbuch XI anerkannten Pflegebedürftigen die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr (§ 39 SGB XI).

Auch eine stationäre Kurzzeitpflege für bis zu vier Wochen im Kalenderjahr kommt im Anschluss an eine stationäre Behandlung oder in Krisenzeiten für einen im Sinne des SGB XI anerkannten Pflegebedürftigen in Betracht, wenn häusliche oder teilstationäre Pflege vorübergehend nicht möglich oder nicht ausreichend sind. Die Einzelheiten dazu sind in § 42 SGB XI geregelt.

Inanspruchnahme von Pflegezeiten durch Berufstätige

1. Freistellung von der Arbeitsleistung (vollständig oder teilweise) nach Pflegezeitgesetz

Sollte der Pflegende abhängig beschäftigt sein, gesteht das Pflegezeitgesetz dem Beschäftigten das Recht zu, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um für einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in einer akut aufgetretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen. Darüber hinaus kann der Beschäftigte beantragen, bis zu sechs Monate von der Arbeitsleistung ganz oder teilweise zur Pflege eines nahen Angehörigen freigestellt zu werden. Der Arbeitgeber ist zur Fortzahlung der Vergütung nur verpflichtet, soweit sich das aus anderen gesetzlichen Vorschriften ergibt (z.B. während des vereinbarten Urlaubs). Der Beschäftigte genießt aber weiterhin Kündigungsschutz. Er ist sozialversichert bzw. kann Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung beantragen (§ 44a SGB XI). Die Freistellungsmöglichkeit nach Pflegezeitgesetz gilt jedoch nicht gegenüber Arbeitgebern mit in der Regel 15 oder weniger Beschäftigten ausschliesslich der zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten. Die konkrete Umsetzung muss vorab mit dem Arbeitgeber besprochen und vereinbart werden.

2. Freistellung von der Arbeitsleistung (teilweise) nach Familienpflegezeitgesetz

Zusätzlich kann unter den dort geregelten Voraussetzungen für maximal weitere 18 Monate (24 Monate insgesamt) eine teilweise Freistellung von der Arbeitsleistung nach den Vorgaben des Familienpflegezeitgesetzes zur Pflege eines nahen Angehörigen beantragt werden. Die Mindestwochenarbeitszeit beträgt in diesem Fall 15 Stunden. Der Arbeitgeber ist zur Fortzahlung der Vergütung nur verpflichtet, soweit sich das aus anderen gesetzlichen Vorschriften ergibt (z.B. während des vereinbarten Urlaubs). Der Beschäftigte genießt aber weiterhin Kündigungsschutz. Er ist sozialversichert bzw. kann Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung beantragen (§ 44a SGB XI). Der Anspruch auf Freistellung nach Familienpflegezeitgesetz besteht nicht gegenüber Arbeitgebern mit in der Regel 25 oder weniger Beschäftigten. Die konkrete Umsetzung muss vorab mit dem Arbeitgeber besprochen und vereinbart werden.

3. Finanzielle Existenzsicherung während der Freistellung nach PflegeZG und FPfZ

Für eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung nach § 2 PflegeZG hat der Beschäftigte Anspruch auf einen Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt (Pflegeunterstützungsgeld) für bis zu insgesamt zehn Arbeitstage gegenüber der Pflegekasse oder dem Versicherungsunternehmen des pflegebedürftigen nahen Angehörigen.

Zur finanziellen Existenzsicherung gewährt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben für die übrige Dauer der Freistellungen nach dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz Beschäftigten auf Antrag ein in monatlichen Raten zu zahlendes zinsloses Darlehen.

Erhält der Patient Leistungen aus der Pflegeversicherung, d.h. ist er in eine Pflegestufe nach SGBV XI eingruppiert, kann er sowohl Sachleistungen (z.B. über einen Pflegedienst) als auch Pflegegeld beanspruchen. Er kann auch beides kombinieren. Das Pflegegeld wird dann anteilig gekürzt. Die Höhe des Pflegegelds für selbst beschaffte Pflegehilfen bemisst sich nach der zuerkannten Pflegestufe und beträgt derzeit zwischen € 123 (Pflegestufe 0) und € 728 (Pflegestufe III) monatlich. Es besteht die Möglichkeit, dass der Pflegebedürftige dem Angehörigen als Anerkennung für die übernommenen Pflegeleistungen das Pflegegeld übergibt.

Weiterführende Informationen

Die Internetseite http://www.wege-zur-pflege.de/ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet neben Informationen rund um das Thema Pflege eine telefonische Beratung an.

Auch das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundessozialamt bieten auf ihren Websites Informationen zum Thema Pflege an.

Eine psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige erhalten Sie auf der Seite www.pflegen-und-leben.de.

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