Wann behandeln, wie behandeln? Ihr Recht auf Selbstbestimmung Krebshilfe Krebserkennung Krebsfrüherkennung

Patientenrecht bei Krebsbehandlung

Wann behandeln, wie behandeln? Ihr Recht auf Selbstbestimmung

Häufig sind Patienten und ihre Angehörigen nicht über die Möglichkeiten der Mitsprache und Selbstbestimmung bei der Krebstherapie im Bilde. Tatsächlich haben sie aber umfangreiche Möglichkeiten, bei der Behandlung mitzuentscheiden.

Als Ausfluss des grundgesetzlich normierten allgemeinen Persönlichkeitsrechts und des Rechts auf Menschenwürde wurde mittlerweile auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (§§ 630a ff) verankert, dass jeder Patient in medizinische Behandlungen einwilligen muss, damit diese in rechtlich zulässiger Weise durchgeführt werden können. Die Entscheidung über eine medizinische Behandlung muss der Patient informiert treffen können („informed consent“). Deshalb muss ihn der Behandler zu Beginn der Behandlung und – soweit erforderlich – im weiteren Verlauf aufklären. Er muss ihn hierzu über sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände wie Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Diagnose oder die Therapie in verständlicher Weise so rechtzeitig informieren, dass der Patient seine Entscheidung über die Einwilligung wohlüberlegt treffen kann. Auch über „echte“ Behandlungsalternativen, die entweder eine bessere Erfolgsaussicht versprechen oder mit geringeren Risiken behaftet sind, ist der Patient aufzuklären. Auf dieser Basis trifft dann der Patient eine Entscheidung für oder gegen eine Behandlung. Um den Behandlungserfolg zu sichern, ist der Patient zudem über alle für die Behandlung wesentlichen Umstände zu informieren, insbesondere zur Diagnose, zur voraussichtlichen gesundheitlichen Entwicklung, zur Therapie sowie die nach der Therapie zu ergreifenden Maßnahmen. Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihrem Arzt Fragen zu der Behandlung und zu Behandlungsalternativen zu stellen und ihn über Ihre Wünsche und Wertvorstellungen zu informieren. Der Arzt ist nur dann von der Aufklärungspflicht entbunden, wenn diese in Ausnahmefällen entbehrlich ist, insbesondere wenn die Maßnahme unaufschiebbar ist oder wenn der Patient ausdrücklich auf eine Aufklärung verzichtet hat. In Situationen, in denen eine tatsächliche Einwilligung des Patienten z.B. wegen Bewusstlosigkeit nicht einholbar ist, wird auf Basis des mutmaßlichen Patientenwillens entschieden. Zur Eruierung des mutmaßlichen Willens eines Patienten können Angaben von Vertrauenspersonen bzw. Familienangehörigen einen wichtigen Beitrag leisten. Sofern für die eingetretene Behandlungssituation eine gültige Patientenverfügung vorliegt, ist diese für den Behandler bindend.

In einer Patientenverfügung können Sie – für den Fall dass Sie eines Tages Ihren Willen nicht mehr selber artikulieren können – verbindlich festlegen, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen und welche nicht und wer in solchen Dingen dafür sorgen soll, dass ihr festgelegter Wille umgesetzt wird.

Das Recht auf eine zweite fachliche Meinung

Unter einer ärztlichen Zweitmeinung versteht man die zweite Begutachtung einer ärztlichen Diagnose oder eines Therapievorschlags seitens eines unabhängigen, bisher und in der Zukunft an der Behandlung des Patienten nicht beteiligten Arztes. Eine Zweitmeinung kann Ihnen helfen, Sicherheit zu gewinnen und sich einen besseren Überblick über Therapiealternativen zu verschaffen. Sie kann beispielsweise sehr wichtig für die Beurteilung der Risiken und Chancen eines operativen Eingriffs sein.

Das Recht auf eine Zweitmeinung ergibt sich in Deutschland prinzipiell aus dem Recht auf freie Arztwahl. Das GKV-VSG aus dem Jahr 2015 sieht für bestimmte „planbare Eingriffe“ sogar einen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung vor. Die Zweitmeinung kann nicht bei einem Arzt oder einer Einrichtung eingeholt werden, durch den oder durch die der Eingriff durchgeführt werden soll. Weitere Einzelheiten wird der Gemeinsame Bundesausschuss in Richtlinien festlegen. Die Kosten werden jedoch nicht in jedem Fall von der Krankenkasse übernommen. Klären Sie deshalb vorab, ob Ihre Krankenkasse die Kosten für eine Zweitmeinung übernimmt und welche Bedingungen gegebenenfalls eingehalten werden müssen.

Auch zu der Frage, welche Anforderungen an geeignete Zweitmeiner zu stellen sind, wird der Gemeinsame Bundesausschuss Richtlinien festlegen. Wichtig ist, dass der Zweitmeiner fachlich kompetent und unabhängig ist, d.h. insbesondere nicht an dem im Raum stehenden Eingriff verdient.

Umfangreiche Informationen zu Ihren Rechten gibt der Ratgeber für Patientenrechte des Bundesministeriums für Gesundheit .

Chance oder Risiko? Die Teilnahme an klinischen Studien

In klinischen Studien werden Arzneimittel und Behandlungsverfahren an einer größeren Zahl von Patienten in ausgewählten Einrichtungen getestet. Der Ablauf folgt einem festgelegten und genehmigten Prüfplan. Die Teilnahmemöglichkeit ist an bestimmte Ein- und Ausschlusskriterien geknüpft, die der zuständige Prüfarzt kennt und deren Vorliegen er bei Ihnen überprüfen kann. In eine Teilnahme an einer klinischen Studie muss der Patient immer einwilligen. Eine Ethikkommission kontrolliert, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden. Die Teilnahme an einer Studie bietet die Chance, eine neue Therapie zu erhalten, beispielsweise wenn keine etablierte Therapiemöglichkeit anschlägt. Allerdings sind die neuen Therapieansätze noch nicht so gut erforscht, so dass das Risiko besteht, dass die Therapie nicht wirkt oder mit ihr erhöhte Risiken für Nebenwirkungen/Wechselwirkungen einhergehen.

Ob die Teilnahme an einer Studie sinnvoll ist, muss in jedem Fall individuell entschieden werden. Eine ausführliche Beratung mit dem behandelnden Arzt, bei der alle Vor- und Nachteile abgewogen werden, ist deshalb unabdingbar.

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