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Schilddrüsenkrebs

Steigende Neuerkrankungsraten, aber gute Heilungschancen

Die Schilddrüse ist ein Organ im Hals, das spezielle Hormone produziert. Beim Schilddrüsenkrebs sind Zellen der Schilddrüse bösartig entartet. Da die Symptome meist unspezifisch sind, ist die Diagnose oft ein Zufallsbefund.

Krankheitsbild

Beim Schilddrüsenkrebs entarten Zellen der Schilddrüse, werden funktionsuntüchtig und wachsen unkontrolliert, wodurch eine Wucherung im gesunden Gewebe entsteht. Dabei werden die gesunden Zellen von den funktionsuntüchtigen verdrängt. Meist fällt als erstes eine Vergrößerung der Drüse auf. Durch die örtliche Nähe zu Kehlkopf, Luft- und Speiseröhre kann der wachsende Tumor diese einengen. Ist der Tumor entsprechend groß, können deshalb Beschwerden wie Heiserkeit, Schluckstörungen oder Atemgeräusche (Stridor) auftreten. 75% aller Schilddrüsentumore sind klinisch unauffällig und werden durch Zufall in der Sonografie entdeckt.

Epidemiologie

An Schilddrüsenkrebs erkranken in Deutschland im Durchschnitt etwa dreimal so viele Frauen wie Männer. Im Jahr 2010 waren das etwa 4.200 Frauen und 1.700 Männer. Betroffen sind vor allem Menschen ab 50. Frauen sind mit 52 Jahren im Schnitt vier Jahre früher betroffen als Männer. Die Tendenz ist steigend, dennoch ist die Sterberate zurückgegangen. Das liegt einerseits an der Diagnose, die immer früher gestellt wird, andererseits an einer Tumorart, die vermehrt auftritt und eine gute Prognose hat.

Schilddrüsenkrebs MännerSchilddrüsenkrebs Frauen

Anteil von Schilddrüsenkrebs bei Frauen und Männern in Deutschland 2010 im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen. Erstellt nach Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2009/2010, 9.Ausgabe, 2013

Risikofaktoren

Der einzige belegte Risikofaktor ist der Kontakt mit ionisierender Strahlung, vor allem im Kindesalter. Hierzu zählen zum Beispiel Bestrahlungen im Rahmen der Behandlung einer anderen Tumorerkrankung, aber auch die frei werdende Strahlung bei Atombombendetonationen oder Reaktorunfällen. Für eine bestimmte Art von Schilddrüsentumoren sind zudem genetische Faktoren verantwortlich.

Unterteilung

Eingeteilt werden die Schilddrüsentumoren in drei Kategorien.

Das differenzierte Karzinom kann einem Zelltyp zugeordnet werden und wird weiter in follikuläre oder papilläre Karzinome unterteilt. Differenzierte Karzinome (papillär 60%, follikulär 30%) sind die häufigsten Schilddrüsentumoren und haben eine gute Prognose.

Das undifferenzierte Karzinom kann keinem Zelltyp zugeordnet werden, man nennt es auch anaplastisch. Karzinome dieses Typs sind sehr selten und haben eine schlechtere Prognose.

Das medulläre Karzinom geht von einer bestimmten Zellart in der Schilddrüse aus, den so genannten C-Zellen, die für die Produktion eines Hormons, dem Calcitonin, zuständig sind. Es tritt ebenfalls selten auf. Im Regelfall hat es eine gute Prognose.

Diagnostik und Therapie

Meist werden Schilddrüsenkarzinome zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung beim Ultraschall entdeckt. Normalerweise sieht die Schilddrüse recht einheitlich aus. Wird in der Untersuchung eine Unregelmäßigkeit entdeckt, kann diese mithilfe einer Szintigrafie weiter untersucht werden. Erhärten sich hier die Hinweise, wird eine Gewebeprobe entnommen. Außerdem wird bei einem Tumornachweis in der Regel mittels bildgebender Untersuchungen geprüft, ob der Tumor bereits gestreut hat.

Die Therapie unterscheidet sich je nach Tumorart. Sie besteht in der Regel in der operativen Entfernung der gesamten Schilddrüse und der benachbarten Lymphknoten. Nach der Operation wird zudem bei den differenzierten Tumoren eine Radiojodtherapie durchgeführt, um übrig gebliebenes Schilddrüsengewebe zu zerstören. Anschließend ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, um mögliches Restgewebe oder Metastasen frühzeitig zu erkennen.

Prognose

Am häufigsten treten die prognostisch günstigeren differenzierten Karzinome auf. Daher ist die relative 5-Jahres-Überlebensrate mit 88 bis 93% sehr gut, auch bedingt durch eine gute Früherkennung. Die eher seltenen undifferenzierten Karzinome haben dagegen mit einer relativen 5-Jahres-Überlebensrate von 12 % eine recht schlechte Prognose.

Weitere Informationen zur Behandlung und der Einteilung finden Sie in Form der Leitlinien zum Schilddrüsenkarzinom auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).

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