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Krebs und Berufstätigkeit

Rechtliche und finanzielle Aspekte für Arbeitnehmer

Die Diagnose Krebs und eine damit assoziierte langwierige Behandlung weckt bei angestellten Betroffenen unter Umständen die Sorge vor einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Unterliegt ein Arbeitnehmer jedoch den Regeln des Kündigungsschutzgesetzes, ist eine Kündigung aufgrund einer Erkrankung nur unter engen Voraussetzungen möglich.

In einem Arbeitsverhältnis hat ein Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit unverzüglich anzuzeigen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer nach den Regelungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Allerdings müssen Sie Ihrem Arbeitsgeber nicht die Art Ihrer Erkrankung mitteilen.

Nach den Regelungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes steht einem Arbeitnehmer eine Entgeltfortzahlung für ein und dieselbe Erkrankung bis zu 6 Wochen im Jahr zu. Ein Arbeitnehmer behält diesen Entgeltfortzahlungsanspruch für weitere sechs Wochen wegen erneuter Arbeitsunfähigkeit aufgrund derselben Erkrankung, wenn

  1. er vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfähig war oder
  2. seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit eine Frist von zwölf Monaten abgelaufen ist.

Solange der Arbeitgeber Leistungen wegen einer die Arbeitsunfähigkeit begründenden Erkrankung aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz schuldet, ist eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses aufgrund der Erkrankung arbeitsrechtlich nicht ohne weiteres zu rechtfertigen.

Spezialfall Berufskrankheit

Besteht der Verdacht, dass eine Erkrankung möglicherweise auf eine berufliche Ursache zurückzuführen ist, muss der behandelnde Arzt oder ein Betriebsarzt dies an den zuständigen Unfallversicherungsträger melden. Handelt es sich um eine formal als Berufskrankheit anerkannte Erkrankung und steht sie im ursächlichen Zusammenhang mit einer dem Versicherungsschutz unterfallenden beruflichen Tätigkeit, können Patienten bestimmte Leistungen von ihrer Berufsgenossenschaft erhalten.

Eine komplette Liste der formal anerkannten Berufskrankheiten hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht. Wurde eine Krebserkrankung als Berufskrankheit anerkannt, erhalten Sie von der Berufsgenossenschaft bestimmte Leistungen. Welche das in Ihrem Fall sind, erfragen Sie direkt bei Ihrer Berufsgenossenschaft.

Ihr Anspruch auf Krankengeld

Nach sechs Wochen gesetzlicher Entgeltfortzahlung durch den Arbeitsgeber erhalten gesetzlich Krankenversicherte Krankengeld. Dieses beträgt 70% des erzielten regelmäßigen Bruttoeinkommens, soweit es der Beitragsberechnung unterliegt (Grenze: Beitragsbemessungsgrenze), und darf 90 % des nach § 47 Abs. 2 SGB V berechneten Nettoarbeitsentgelts nicht übersteigen.

Diese Art der Bemessung der Höhe des Krankengeldes kann sich ändern, wenn sich der Status des Patienten ändert, er z.B. nicht mehr in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis steht. Das Krankengeld wird wegen derselben Erkrankung maximal über einen Zeitraum von 78 Wochen innerhalb von drei Jahren ausgezahlt. Für freiwillig gesetzlich sowie für privat Versicherte gilt die im Vertrag individuell vereinbarte Krankentagegeld-Regelung.

Spezielle Regelungen für Selbständige

Für Selbstständige kann eine längere Auszeit die berufliche Existenz gefährden. Aber auch sie können einen Anspruch auf Krankentagegeld haben, wenn sie vor Eintritt der Erkrankung für einen entsprechenden Versicherungsschutz gesorgt haben.

Die (Schwer-)Behinderteneigenschaft und der (Schwer-)Behindertenausweis

Nach SGB IX sind Menschen behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist. Diese Voraussetzungen können bei einer Krebserkrankung vorliegen.

Auf Antrag des behinderten Menschen stellen die für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständigen Behörden das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung fest. Ab einem anerkannten Behindertengrad von 50% oder mehr kann ein behinderter Mensch zudem einen Ausweis über die Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch und den Grad der Behinderung beantragen. Der Ausweis kann Ihnen in Abhängigkeit vom Grad der Behinderung einige Vorteile bringen, z. B.

  • Steuererleichterungen
  • Anspruch auf mehr Urlaubstage
  • Freistellung von Mehrarbeit
  • Mobilitätsleistungen
  • Eintrittsermäßigungen (z.B. Theater, Schwimmbad).

Den Antrag für einen Ausweis stellen Sie bei Ihrem lokal zuständigen Versorgungsamt. Dessen Kontaktdaten können Sie leicht über das Bürgeramt erfragen oder unter www.versorgungsaemter.de für Ihren Stadtkreis heraussuchen. Krebsberatungsstellen können Ihnen beim Ausfüllen des Antrages behilflich sein.

Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderungsrente

Kann Ihre Erwerbsfähigkeit weder durch medizinische Behandlung noch durch medizinische oder berufliche Rehabilitation wiederhergestellt werden, können für Sie Leistungen aus einer Erwerbsminderungsrente in Betracht kommen. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass Sie aufgrund der Behinderung/Krankheit in keiner denkbaren Tätigkeit sechs Stunden oder mehr täglich arbeiten können und die gesetzliche Rentenversicherung dies festgestellt hat.

Im Rahmen der Restleistungsfähigkeit besteht jedoch die Verpflichtung, jede zumutbare Teilzeitbeschäftigung anzunehmen, auch aus einem anderen Berufsfeld als dem erlernten. Da sich die Regelung von Fall zu Fall unterscheidet, sollte unbedingt eine individuelle Beratung in Anspruch genommen werden. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Deutsche Rentenversicherung.

Weiterführende Informationen

Bei Fragen zu Ihren Leistungsansprüchen können Sie sich an eine Sozialberatungsstelle in Ihrer Nähe wenden, beispielsweise an Kliniksozialdienste oder Krebsberatungsstellen. Weitere Informationen erhalten Sie im blauen Ratgeber "Wegweiser zu Sozialleistungen" der deutschen Krebshilfe. Eine Broschüre rund um das Thema Behindertenausweis und Arbeit finden Sie auf der Seite des Integrationsamtes des Landschaftsverbandes Rheinland.

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