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Stammzelltransplantation

Neustart für die Blutproduktion

Bei Leukämien und Lymphomen ist eine Stammzelltransplantation eine sehr gute Therapieoption, um die gestörte Blutbildung im Knochenmark zu behandeln. Dazu werden dem Patient entweder eigene oder fremde funktionstüchtige Stammzellen zugeführt.

Unsere Zellen unterliegen einem Alterungsprozess und sterben nach einer gewissen Zeit ab. Damit beständig neue Zellen heranreifen können, gibt es so genannte Stammzellen. Diese sind Vorstufen, aus denen neue Zellen gebildet werden.

Blutzellen haben ihre eigenen Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden. Es gibt drei Blutzelltypen: rote Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren den Sauerstoff, Blutplättchen (Thrombozyten) dienen zur Blutgerinnung und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) bilden die Immunabwehr.

Bei Leukämien und Lymphomen tritt eine Fehlfunktion im blutbildenden System auf. Das bedeutet, dass nicht mehr ausreichend gesunde Blutzellen gebildet werden und im Übermaß veränderte, nicht mehr funktionsfähige Blutzellen gebildet werden.

Zur Therapie wird deshalb eine Stammzelltransplantation genutzt. Dadurch werden dem Patienten gesunde Stammzellen zugeführt, die neue, funktionsfähige Blutzellen bilden. Es gibt zwei Typen von Stammzelltransplantationen:

  • Autologe Stammzelltransplantation: Hierbei werden körpereigene Stammzellen transplantiert, ein Spender ist nicht nötig. Dem Patienten werden spezielle Wachstumshormone verabreicht. Hierdurch kommt es zu einer kontrollierten übermäßigen Produktion der Stammzellen im Knochenmark, welche dadurch auch vermehrt in den Blutkreislauf wandern. Anschließend werden dem Patienten Stammzellen aus dem Blut durch Filtration entnommen. Die gesunden Stammzellen werden im Filtrationsverfahren von allen anderen Zellen, auch von Tumorzellen, getrennt. Die gewonnenen Stammzell-Präparate („Beutel“) werden gekühlt gelagert (Kryokonservierung) und aufbewahrt und zu einem späteren transplantiert.

  • Allogen Stammzelltransplantation: Bei der allogenen Stammzelltransplantation werden dem Krebspatienten körperfremde Stammzellen zugeführt. Dazu bedarf es der Spende einer Person, die eine weitgehende, aber nicht vollständige Übereinstimmung der Gewebemerkmale mit dem Patienten aufweist. Dabei kann es sich um einen passenden, leiblichen Verwandten wie z.B. Geschwister handeln oder um einen unverwandten, freiwilligen Spender.

Die Vorbereitung

Im Vorfeld der Transplantation werden sämtliche Organfunktionen kontrolliert und mögliche Entzündungsherde ausgeschlossen. Dazu werden zahlreiche Untersuchungen vorgenommen, die sich teils mit Ultraschall, teils mit Röntgen oder anderen Geräten durchführen lassen. Damit wird bereits vier bis sechs Wochen vor der eigentlichen Transplantation begonnen.

Möglicherweise kann auch eine vorangehende Chemotherapie oder Strahlentherapie zur Verkleinerung der Tumormasse sinnvoll sein, auch Induktionstherapie genannt.

Die Konditionierung

Bevor durch die Transplantation gesunde funktionsfähige Stammzellen zugeführt werden, müssen zunächst möglichst alle betroffenen Zellen vernichtet werden. Zu diesem Zweck unterzieht sich der Patient einer Konditionierung. Dabei sollen möglichst alle vom Krebs befallenen blutbildenden Zellen durch eine Hochdosis-Chemotherapie vernichtet werden.

Dieser Typ der Chemotherapie kann nur stationär verabreicht werden, da dabei alle blutbildenden Zellen angegriffen werden. Dadurch ist das Immunsystem stark eingeschränkt, weshalb eine einfache Infektion bereits lebensbedrohlich sein kann.

Zusätzlich zur Hochdosis-Chemotherapie kann eine Ganzkörper-Bestrahlung durchgeführt werden. Die Konditionierung kann zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit führen.

Die Transplantation

Bei der allogenen Stammzelltransplantation werden vor der Transplantation spezielle Infusionen und Medikamente verabreicht, die eine allergische Reaktion auf körperfremdes Gewebe unterdrücken soll. Das ist bei der autologen Variante nicht nötig, da es sich um körpereigene Zellen handelt.

Im Anschluss daran findet die eigentliche Transplantation statt. Über eine Bluttransfusion werden die Stammzellen dem Patienten zugeführt. Diese siedeln sich im Knochenmark an und beginnen so mit dem Aufbau eines neuen blutbildenden Systems.

Bei der autologen Stammzelltransplantation besteht die Möglichkeit die Stammzelltransplantation nicht auf einmal, sondern in Etappen unterbrochen von weiteren Hochdosis-Chemotherapien durchzuführen. So soll die Gefahr eines Rückfalls vermindert werden.

Die Aplasiephase

Nach der Übertragung der Stammzellen dauert es eine Weile bis diese Blutzellen bilden können. Bis zur Ansiedlung der transplantierten Stammzellen kann es deshalb für eine gewisse Zeit zu einem Blutzellmangel (Aplasie) kommen.

Fehlende rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) können in der Regel problemlos durch Infusionen ersetzt werden. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) lassen sich jedoch nicht per Transfusion verabreichen und so herrscht auch in dieser Zeit erhöhte Infektionsgefahr. Es dauert etwa zehn bis zwanzig Tage bis sich neu gebildete Zellen im Blut zeigen.

Die meisten unmittelbaren oder frühen Komplikationen nach Stammzellransplantationen treten in der Aplasiephase auf.

Die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei

Die organisiert in Deutschland die Knochenmarkspende. Dazu zählen die Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung von potentiellen Spendern, die Pflege einer Datenbank aller registrierten Spender, Laboruntersuchungen zur Identifikation von passenden Spendern und Empfängern sowie die Organisation der Stammzellentnahme. Mit mehr als vier Millionen registrierten Spendern weltweit und Partnerorganisationen in den USA, Polen, Großbritannien und Spanien ist die DKMS heute der weltweit größte Dateienverbund.

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