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Das psychische Gleichgewicht

Mit Achtsamkeit zur seelischen Ausgeglichenheit

Die Diagnose Krebs und dessen langwierige Therapie kann das psychische Gleichgewicht von Betroffenen und Angehörigen ins Wanken bringen. Daraus kann dann eine erhöhte psychische Belastung oder eine psychische Erkrankung resultieren. Achtsamkeitsübungen und das Erkennen der eigenen Bedürfnisse können helfen, das psychische Gleichgewicht wieder zurückzuerlangen.

Achtsamkeit ist eine Methode, die sich heutzutage zunehmender Beliebtheit erfreut. Eine vielleicht etwas bekanntere Bezeichnung ist Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), zu Deutsch Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Ziel ist es aufmerksam mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und dem eigenen Körper umzugehen und dadurch ein tieferes Verständnis für sich selbst und die Umwelt zu entwickeln.

Was sich nun vielleicht etwas esoterisch anhört und den einen oder anderen abschrecken mag, ist in Wahrheit eine fundierte Therapiemethode, die in den 1970er Jahren von Prof. Jon Kabat-Zinn an der Universitätsklinik Massachusetts entwickelte wurde. Ihre Wirksamkeit ist zudem gut erforscht und von der Schulmedizin anerkannt. Auch fernab von medizinischen Behandlungsräumen findet sie Anwendung. Das Angebot zur Erlernung von MBSR zum Stressabbau für Menschen in allen Lebenslagen wächst, ganz unabhängig von einer Krebserkrankung.

Gerade während einer Erkrankung kann die Achtsamkeit hilfreich sein, um sich besser zurecht zu finden und das psychische Gleichgewicht zu finden und zu halten. Da es sich dabei um eine komplexe Methode handelt und weil starke Gefühle hervorgerufen werden können, ist es wichtig Achtsamkeit unter Anleitung zu erlernen. Dennoch möchten wir Ihnen an dieser Stelle einen Einblick geben, was man sich darunter vorstellen kann.

Ein wichtiger Schritt in der Achtsamkeit ist das Wahrnehmen und Erkennen der eigenen Bedürfnisse. Dabei geht es darum, möglichst klar aktuelle Wünsche und Ziele für die eigene, momentane Lage zu formulieren sowie Prioritäten für das eigene Leben herauszuarbeiten. Das bedeutet zwangsläufig einen intensiven Kontakt mit den eigenen Gefühlen, Vorstellungen aber auch mit den eigenen Sorgen und Ängsten.

Sich verstehen und verständlich machen, klare Ziele und Prioritäten setzen sind der Weg zum psychischen Gleichgewicht.

Auf diese Weise lernen Sie, nach und nach Ihre Bedürfnisse zu erkennen, sie zu artikulieren und, als nächsten Schritt, sie anderen mitzuteilen. So können Sie Ihren Alltag besser daran anpassen, was Sie wirklich brauchen und wollen. Auch Ihr Umfeld kann besser auf Sie und Ihre Bedürfnisse eingehen und Sie können wieder zu einem Gleichgewicht zurück finden.

Die Aufmerksamkeit lenken

Achtsamkeit bedeutet seine Aufmerksamkeit auf eine Sache zu lenken und sich damit gezielt zu befassen. Durch Konzentration auf eine einzelne Empfindung und deren Beweggründe erfährt man mehr über sich. Mögliche Fragen sind:

  • Was genau empfinde ich? (z.B. bei Angst: Wovor genau habe ich Angst?)

  • Welche verschiedenen Gefühlsanteile sind da? (z.B. bei Angst: auch Trauer und Wut?)

  • Warum empfinde ich das?

  • Was ist der Auslöser dafür?

Desweiteren kann man versuchen, eine Situation aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten und sich neue Möglichkeiten zu erschließen. Fragen hierfür wären:

  • Wie würde xy auf die gleiche Situation reagieren/darüber denken?

  • Gibt es andere Möglichkeiten die Situation zu interpretieren?

  • Wie würde sich dadurch die Situation verändern?

Das Fühlen und Wahrnehmen üben

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen ist für manchen ungewohnt. Um Ihnen einen Einblick zu geben, möchten wir Ihnen auch einige Übungen vorstellen. Es geht dabei hauptsächlich darum, das Wahrnehmen und Beschreiben von einzelnen äußeren Eindrücken zu üben.

Eine Übung wäre z.B. das Konzentrieren auf ein Geräusch, wie den eigenen Atem oder einen tropfenden Wasserhahn. Als weiteren Schritt kann man versuchen, das Geräusch und seine Empfindungen beim Hören aufzuschreiben. Man sollte sich unbedingt Zeit dazu nehmen, regelmäßig üben und sich nicht überfordern.

Zur eigenen Orientierung kann man auf einer Skala einordnen, wie schwer einem eine Übung gefallen ist (1 – sehr leicht; 10 – sehr schwer). Der tropfende Hahn sollte recht einfach sein, wohingegen das Beschreiben eines Gefühls in Zusammenhang mit der Krankheit naturgemäß ziemlich schwer sein dürfte. Als Hilfestellung kann man seine Ergebnisse als Tagebucheintrag oder Protokoll aufzeichnen und ggf. in einer Selbsthilfe-/Achtsamkeitsgruppe besprechen.

Kursangebote zum Thema sowie weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des MBSR-Verbandes. Zudem können Sie bei Psychoonkologen und Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe Unterstützung suchen.

Desweiteren gibt es zahlreiche Bücher, die sich im allgemeinen, aber auch in Bezug auf Krebs, mit der Thematik befassen:

  • „Das Einmaleins der Achtsamkeit: Vom sorgsamen Umgang mit alltäglichen Gefühlen“ von Jessica Wilker und Wayne Sutherland

  • „Achtsamkeit für Anfänger“ von Jon Kabat-Zinn

  • „Achtsamkeit und Krebs – Hilfen zur emotionalen und mentalen Bewältigung von Krebs“ von Dr. rer. Nat. Dipl.-Psych. Katja Geuenich

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