Knochenschmerzen und -brüche als frühes Symptom Krebshilfe Krebserkennung Krebsfrüherkennung

Multiples Myelom

Knochenschmerzen und -brüche als frühes Symptom

Das Multiple Myelom entsteht durch eine entartete und sich bösartig im Knochenmark vermehrende Zelle, die sogenannte Plasmazelle, deren Aufgabe eigentlich dem Immunschutz dient. Diese entarteten Zellen können die normale Blutbildung im Knochenmark verdrängen und Schäden im Knochen verursachen.

Krankheitsbild

Das klinische Bild ist beim Multiplen Myelom vielschichtig und oft unspezifisch: 20 Prozent der Patienten sind bei Diagnosestellung noch beschwerdefrei. Da die entarteten Zellen an vielen Stellen im Knochenmark Krankheitsherde bilden und dabei knochenproduzierende Zellen hemmen sowie knochenabbauende Zellen anregen, sind Knochenschäden in Form von unklaren Knochenschmerzen oder -brüchen ein wichtiges Anzeichen. Außerdem können Müdigkeit aufgrund einer Blutarmut und eine Gewichtsabnahme auftreten. Da die entarteten Zellen einen hohen Anteil funktionsloser Bluteiweiße (Antikörper) produzieren, kann aufgrund des Mangels funktionsfähiger Antilörper eine erhöhte Infekt-Anfälligkeit vorliegen. Da diese Symptome aber auch von anderen Krankheiten ausgelöst werden können, ist eine Abklärung der Ursache durch einen Arzt notwendig.

Epidemiologie

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 3.000 Männer und etwa 2.700 Frauen neu an einem Multiplen Myelom. Es kommt typischerweise im höheren Lebensalter vor. Erkrankungen vor dem 35. Lebensjahr sind selten. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei  71 Jahren und für Frauen bei 73 Jahren.

Anteil des Multiplen Myeloms bei Frauen und Männern in Deutschland im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen. Erstellt nach: Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015

Risikofaktoren

Die Ursache für die Entstehung eines Multiplen Myeloms ist nicht eindeutig geklärt. Das Erkrankungsrisiko kann Studiendaten zufolge durch ein starkes Übergewicht, radioaktiver Strahlung, Produkten der Gummiverarbeitung, sowie chronischen Infektionen erhöht werden. Eine familiäre Häufung ist bekannt, jedoch konnten erbliche Faktoren bisher nicht sicher belegt werden.

Unterteilung

Man spricht erst dann von einem Multiplen Myelom, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Diese umfassen u. a. den Anteil der bösartigen Zellen im Knochenmark oder das Vorhandensein von Organschäden durch die Erkrankung. Sofern diese Kriterien nicht erfüllt sind, aber trotzdem bösartige Plasmazellen vorhanden sind, spricht man von einer sogenannten monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS).

Das multiple Myelom wird in die Stadien I-III nach dem International Staging System eingeteilt. Die Einteilung basiert auf Faktoren wie die Messung bestimmter Blutwerte (Albumin, Beta-2-Mikroglobulin, Laktat-Dehydrogenase [LDH]) sowie das Vorhandensein genetischer Defekte.

Diagnostik und Therapie

In etwa einem Fünftel der Fälle wird die Diagnose zufällig im Rahmen einer anderen Untersuchung gestellt. Die häufigsten Gründe für eine Diagnosestellung sind krankhaft veränderte Blut- oder Urinwerte sowie unklare Knochenschmerzen oder -brüche. Die Diagnostik umfasst unter anderem die körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen des Blutes und des Urins sowie eine Knochenmarkpunktion mit einer anschließenden mikroskopischen Untersuchung des Gewebes. Durch Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) wird die Ausbreitung der Erkrankung untersucht. Die Messung der krankhaften Antikörper im Blut ist sowohl für die Diagnose als auch für den Verlauf der Erkrankung unter der Therapie sehr bedeutend.

Beim Multiplen Myelom muss nicht jeder Patient direkt behandelt werden. Unter Umständen kann es sein, dass Ihr behandelnder Arzt eine abwartende und beobachtende Position einnimmt (watch&wait). Lassen Sie sich in einem solchen Fall nicht verunsichern. Der Therapiebedarf besteht erst, wenn eine so genannte symptomatische Erkrankung vorliegt oder bestimmte Laborwerte oder Auffälligkeiten in der Bildgebung (CT /MRT) vorhanden sind. Die häufigsten Gründe für einen Therapiebeginn sind: Blutarmut, Befall der Knochen mit Ausbildung von Knochenauflösungen (fachsprachlich Osteolysen), erhöhte Kalziumkonzentration im Blut und Nierenfunktionsstörung.

Zur Behandlung des Multiplen Myeloms stehen neben der StammzelltransplantationChemotherapie sowie der Strahlentherapie verschiedene zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Die Auswahl des richtigen Behandlungsverfahrens richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, ihrem bisherigen Verlauf sowie dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Früher wurde die Mehrheit der Patienten mit einer klassischen Chemotherapie behandelt. Heute kommt den modernen, zielgerichteten Substanzen in der Therapie des Multiplen Myeloms eine große Bedeutung zu. Die Entwicklung und Anwendung dieser neuen Substanzen hat die Prognose des Multiplen Myeloms in den letzten Jahren deutlich verbessert.

 

Erfahren Sie hier mehr zur Entstehung, Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms:

 

Prognose

Das Multiple Myelom gilt als eine nicht heilbare Erkrankung. Teilweise nimmt sie jedoch einen natürlich-langsamen Verlauf oder ist durch moderne Therapieformen über viele Jahre gut behandelbar. In den nächsten Jahren wird mit verschiedenen neuen Medikamenten für diese Erkrankung gerechnet. Es wird erwartet, dass sich die Behandlung des Multiplen Myeloms dadurch weiter verbessern wird.

Weitere Informationen finden Sie in der Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO). Bei der Deutschen Krebsgesellschaft sind detaillierte Hintergrundinformationen zum multiplen Myelom verfügbar. Darüber hinaus bietet das Kompetenznetz maligne Lymphome e.V. Informationen zur Krankheit und Behandlung.

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