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Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Häufigster Blutkrebs bei Kindern

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Form der Leukämie bei Kindern, bei Erwachsenen tritt sie eher selten auf. Sie ist eine nicht-erbliche Krebserkrankung mit raschem Verlauf. Im Knochenmark, wo die Blutzellen gebildet werden, entarten frühe lymphatische Vorläuferzellen (Blasten) und vermehren sich ungehemmt, ohne zu funktionsfähigen Blutzellen auszureifen. Durch die Ausbreitung dieser Leukämiezellen und die damit einhergehende Schädigung des Knochenmarks und anderer Organe kann die Krankheit schnell lebensbedrohlich werden und führt unbehandelt innerhalb weniger Monate zum Tod.

Krankheitsbild

Die ALL kann bei verschiedenen Patienten einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Manche Patienten haben anfänglich kaum Beschwerden. Mögliche Symptome umfassen Infektionen, Abgeschlagenheit, Blutungsneigung, Schwellungen der Lymphknoten oder Knochenschmerzen. Viele dieser Symptome sind oftmals auch bei vergleichsweise harmlosen Erkrankungen zu beobachten und haben in der Mehrzahl der Fälle nichts mit Leukämie zu tun. Bei anhaltenden Beschwerden ist es jedoch ratsam, die Ursache von einem Arzt abklären zu lassen.

Epidemiologie

In Deutschland erkrankt jedes Jahr etwa einer von 100.000 Erwachsenen neu. Bei Kindern liegt die Zahl bei etwa 500-600 jährlichen Neuerkrankungen. Am häufigsten sind Kinder unter 5 Jahren und Männer über 80 Jahren betroffen.

Akute lymphatische Leukämie ALL MännerAkute lymphatische Leukämie ALL Frauen
Anteil der ALL an allen leukämischen Neuerkrankungen in Deutschland 2009-2010
Erstellt nach: Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2009/2010, 9.Ausgabe 2013

Risikofaktoren

Über die Ursachen der Veränderungen im Erbgut der Zellen, die zur Entartung und Vermehrung der unreifen Blutzellen (Blasten) und damit zur ALL führen, ist bisher nur wenig bekannt. Als gesichert gilt heute nur, dass ionisierende Strahlen (z.B. radioaktive Strahlen) und bestimmte giftige Substanzen wie Benzole Risikofaktoren sind. In seltenen Fällen können auch Medikamente (Zytostatika), die in Form einer Chemotherapie zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden, noch Jahre nach der Behandlung das Risiko einer Leukämieentstehung erhöhen. In den meisten Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.

Unterteilung

Die ALL ist keine einheitliche Erkrankung, lässt sich aber anhand verschiedener Zellmerkmale in Klassen einteilen. Diese Einteilung ist eine wichtige Hilfe für die Auswahl der geeigneten Therapie, denn die Leukämiezellen der verschiedenen ALL-Unterarten reagieren unterschiedlich auf eine Chemotherapie.

Diagnostik und Therapie

Für die Diagnosestellung der ALL ist neben der Blutuntersuchung eine Untersuchung des Knochenmarks erforderlich, da es vorkommen kann, dass keine Leukämiezellen im Blut nachweisbar sind. Dazu wird bei einer Knochenmarkpunktion Gewebe entnommen. Im Rahmen der Untersuchung werden mikroskopisch sichtbare Merkmale, genetische Veränderungen und immunologischen Eigenschaften bestimmt und für eine Klassifizierung der ALL herangezogen.

Der wichtigste Bestandteil der Therapie der ALL ist die Chemotherapie. Im Einzelfall können zusätzlich eine Strahlentherapie oder eine Stammzelltransplantation erforderlich sein. Neuerdings kommen auch sogenannte zielgerichtete Therapien zum Einsatz.

Oft werden ALL-Patienten in Deutschland im Rahmen von Therapiestudien behandelt. Eine Liste der teilnehmenden Kliniken findet sich auf den Seiten des Kompetenznetz Leukämien.

Prognose

Kinder erkranken am häufigsten an einer ALL, haben dabei jedoch eine günstige Prognose. Bei ihnen liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei 84 %. Erwachsene hingegen haben eine eher schlechte Prognose.

Weiterführende Informationen finden Sie bei der Deutschen Krebsgesellschaft. Dort sind beispielsweise Symptome und Behandlungsmöglichkeiten aufgelistet. Weitere Informationen finden Sie auch in der Leitlinie auf dem Leitlinienprogramm Onkologie, ein Programm der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und der Deutschen Krebshilfe e.V.

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