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Überblick über Sozialleistungen für Krebspatienten

Für den Bedarfsfall informiert

Bei einer Krebserkrankung kommen nicht nur Fragen zur Behandlung und den Therapien auf. Auch Fragen zur Erstattung der Behandlungskosten, zur wirtschaftlichen Absicherung, zur Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags oder zu Rehabilitationsmöglichkeiten werden auf einmal wichtig. Doch welche Ansprüche hat man als Krebspatient eigentlich und an welche Institutionen muss man sich wenden, um Sozialleistungen zu beantragen?

Eine Krebserkrankung zieht sowohl nach der Erstdiagnose und der ersten Behandlung als auch während eines Rückfalls Veränderungen nach sich. Deshalb gibt es für Krebspatienten besondere Unterstützungsangebote. Diese sind allerdings breit gestreut und nicht immer leicht zu durchschauen. Auch ist oft nicht klar, welche Ansprüche man als Patient oder Angehöriger überhaupt hat.

Wer informiert vor Ort?

Bei den in Kliniken ansässigen Sozialdiensten erhalten Sie Auskunft über Ihre Ansprüche, bekommen Unterstützung bei der Antragstellung und können an die passenden Behörden verwiesen werden.

Manche onkologischen Praxen bieten eine ähnliche Unterstützung an. Eine weitere Anlaufstelle im nicht-stationären Bereich sind Krebsberatungsstellen, die Sie zu den unterschiedlichsten sozialrechtlichen Fragen beraten können.

Welche Leistungen erbringen Krankenkassen?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind für die meisten medizinischen Leistungen der passende Ansprechpartner. Folgende Kosten im Zusammenhang mit einer Krankenbehandlung übernehmen in der Regel die Krankenkassen:

  • ärztliche Behandlung einschließlich Psychotherapie als ärztliche und psychotherapeutische Behandlung
  • Krankenhausbehandlung
  • Versorgung mit Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmitteln
  • häusliche Krankenpflege, solange keine Pflegebedürftigkeit im Sinne des 11. Sozialgesetzbuchs eingetreten ist und keine im Haushalt lebende Person den Kranken im erforderlichen Umfang pflegen und versorgen kann (Grund- und Behandlungspflege, sofern die Satzung der Kasse dies vorsieht, auch hauswirtschaftliche Versorgung)
  • Haushaltshilfe, wenn die Weiterführung des Haushalts wegen einer Krankenhausbehandlung nicht möglich ist, eine im Haushalt lebende Person den Haushalt nicht weiterführen kann und im Haushalt ein Kind lebt, das das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, behindert oder auf Hilfe angewiesen ist. Die Satzung der Kasse kann Haushaltshilfe darüber hinaus vorsehen. Der gegenwärtige Entwurf des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes (Stand Februar 2015) sieht vor, dass Versicherte darüber hinaus Haushaltshilfe für die Dauer von höchstens vier Wochen erhalten, wenn ihnen nach ärztlicher Bescheinigung die Weiterführung des Haushalts wegen akuter schwerer Krankheit oder akuter Verschlimmerung einer Krankheit nicht möglich ist. Wenn im Haushalt ein Kind lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, verlängert sich der Anspruch auf maximal 52 Wochen. Kann die Krankenkasse keine Haushaltshilfe stellen oder besteht Grund, davon abzusehen, sind dem Versicherten die Kosten für eine selbstbeschaffte Kraft in angemessener Höhe zu erstatten
  • Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und ergänzende Leistungen
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung
  • stationäre und ambulante Hospizleistungen
  • Übernahme von Kosten für Fahrten, wenn sie im Zusammenhang mit einer Leistung der Krankenkasse aus zwingenden medizinischen Gründen notwendig sind
  • Krankengeld (v.a. für arbeitsunfähige, abhängig erwerbstätige Versicherte mit Ansprüchen auf Entgeltfortzahlung für mindestens sechs Wochen, sobald sie kein beitragspflichtiges Arbeitsentgelt mehr erhalten)

Wenn ein Krankenhausaufenthalt geboten, aber nicht ausführbar ist, oder wenn er dadurch vermieden oder verkürzt wird, verordnet der Arzt häusliche Krankenpflege. Die häusliche Krankenpflege umfasst die im Einzelfall erforderliche Grund- und Behandlungspflege (bspw. die Wundversorgung) sowie je nach Satzung eine hauswirtschaftliche Versorgung. Kann die Krankenkasse keine Kraft für die häusliche Krankenpflege stellen oder besteht Grund, davon abzusehen, sind dem Versicherten die Kosten für eine selbstbeschaffte Kraft in angemessener Höhe zu erstatten. Voraussetzung ist, dass diese Aufgaben keine im Haushalt lebende Person übernehmen kann.

Auch die Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen wie einer onkologischer Chemo- und Strahlentherapie werden von der Krankenkasse übernommen, wenn sie den gesetzlichen Selbstbehalt übersteigen und vorher von dieser genehmigt wurden. Anerkannt werden in der Regel die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel unter Ausschöpfung von Fahrpreisermäßigungen oder ein gesetzlich bestimmter Anteil der Kosten für die Benutzung eines Taxis, wenn weder ein öffentliches Verkehrsmittel noch ein privates Kraftfahrzeug benutzt werden kann. Einzelheiten sind in Richtlinien, Rahmenempfehlungen oder Verträgen zwischen Krankenkassen und geeigneten Leistungserbringern geregelt. Sprechen Sie über die genauen Voraussetzungen und Zuzahlungen zu den jeweiligen Leistungen mit Ihrer Krankenkasse.

Was übernimmt die Pflegeversicherung?

Sobald eine Pflegebedürftigkeit im Sinne des 11. Sozialgesetzbuchs (SGB XI) z. B. durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen festgestellt wurde und Sie entweder zu Hause oder stationär gepflegt werden, übernimmt auf Antrag Ihre Pflegeversicherung die Kosten. Folgende Leistungen werden dann in verschiedenem Umfang je nach zugeordneter Pflegestufe von der Pflegekasse übernommen:

  • Pflegesachleistung (häusliche Pflegehilfe)
  • häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson
  • Pflegegeld für selbstbeschaffte Pflegehilfen
  • Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen
  • Kurzzeitpflege (bis zu vier Wochen pro Jahr)
  • vollstationäre Pflege (wenn häusliche Pflege oder teilstationäre Pflege nicht in Betracht kommt)

Um den Eintritt von Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, haben Prävention, Krankenbehandlung und medizinische Rehabilitation immer Vorrang.

Wer übernimmt die Kosten für die Rehabilitation?

Auch eine onkologische Rehabilitation (ambulant oder stationär) kann für Sie in Betracht kommen. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation werden von der gesetzlichen Krankenkasse bzw. für Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen vom Träger der gesetzlichen Rentenversicherung (SGB IX) übernommen. Für die berufliche Rehabilitation und für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig.

Beamte und Selbstständige müssen sich hingegen an ihre private Krankenversicherung wenden. Die Suche nach passenden Beratungsstellen zum Thema Rehabilitation vor Ort erleichtert die Seite REHA-Servicestellen.

Wie sieht die finanzielle Unterstützung für Krebspatienten aus?

Angestellte Berufstätige können bei Verdienstausfällen Leistungen von der Krankenkasse in Form von Krankengeld erhalten, sobald und soweit der 6-Wochen-Zeitraum der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall abgelaufen ist (s.o.). Je nach Krankheits- und Behandlungsverlauf kann eine Erwerbsminderungsrente von der gesetzlichen Rentenversicherung in Betracht kommen. Privat Versicherte müssen Verdienstausfälle über eine entsprechende Krankentagegeldversicherung abfangen. Wenn Sie sich zum Zeitpunkt der Erkrankung in keinem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis befunden haben, können Sie finanzielle Hilfen auch über die Arbeitsagentur oder die Sozialämter beziehen.

Bei vielen medizinischen Leistungen müssen gesetzlich versicherte Patienten eine Zuzahlung bis zu einer gesetzlich definierten Belastungsgrenze leisten. Diese Belastungsgrenze beträgt zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt (weitere Details regelt § 62 Abs. 2 SGB V). Bei langen Krankenhausaufenthalten, vielen Medikamenten und weiteren unterstützenden Leistungen (z. B. Fahrtkosten) kann für Krebspatienten eine größere Summe zusammenkommen. Für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden Krankheit in Dauerbehandlung sind, reduziert sich die maximale Zuzahlung in Höhe von zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen im zweiten Jahr der Behandlung auf ein Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Ist die Belastungsgrenze erreicht, kann man sich durch die Krankenkasse für den Rest des Kalenderjahres von der gesetzlichen Zuzahlung befreien lassen. Eine schwerwiegende chronische Erkrankung ist gegeben, wenn diese mindestens seit einem Jahr einmal pro Quartal ärztlich behandelt werden muss und Pflegebedürftigkeit, eine Minderung der Erwerbstätigkeit um mindestens 60 Prozent oder aber ein Behinderungsgrad von mindestens 60 vorliegt. Gleiches gilt, wenn eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psycho-therapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich ist, weil sonst nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist. Erkundigen Sie sich hierzu bei Ihrer Krankenkasse.

In besonderen Notlagen stehen Krebspatienten auch finanzielle Hilfen durch Stiftungen, Verbände und karikative Einrichtung zur Verfügung. Der Härtefond der Deutschen Krebshilfe zum Beispiel bietet Krebspatienten einen einmaligen, an Einkommens- und Vermögensgrenzen gebundenen Zuschuss, wenn sie in eine finanzielle Notsituation geraten sind. Das Antragsformular finden Sie hier.

Weiterführende Informationen

Einen ausführlichen Überblick über die verschiedensten Sozialleistungen bietet die Broschüre „Soziale Informationen“ der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. Weitere Informationen erhalten Sie auch im blauen Ratgeber „Wegweiser zu Sozialleistungen“ der deutschen Krebshilfe.

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