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Von Pflegestufe 0 bis Härtefallregelung

Finanzielle Regelungen bei Pflegebedürftigkeit

Oftmals bedeutet die Diagnose Krebs nicht nur einen Krankenhausaufenthalt während der akuten Therapie. Manche Patienten benötigen auch in der Zeit danach weiterhin Pflege. Dafür stehen verschiedene Leistungen zur Verfügung, die je nach Bedarf und Ausrichtung von den Kranken- oder Pflegekassen bezahlt werden.

Die Krankenpflege im Krankenhaus ist Bestandteil der Krankenhausbehandlung und wird von der Krankenkasse übernommen, solange und soweit sie nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinische Versorgung des Versicherten notwendig ist. Wenn die Entlassung aus dem Krankenhaus bevorsteht, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Krankenhausarzt die notwendigen weiteren Schritte besprechen. Sie haben Anspruch auf ein Entlassmanagment zur Lösung von Problemen beim Übergang in die Versorgung nach der Krankenhausbehandlung. Dies gilt als Teil der Krankenhausbehandlung. Bei den in Krankenhäusern ansässigen Sozialdiensten erhalten Sie zudem Unterstützung bei Fragen zu medizinischer Rehabilitation, häuslicher Krankenpflege und Haushaltshilfe sowie Auskunft zu Leistungen der Pflegeversicherung (häusliche, teilstationäre oder stationäre Pflege), wobei die Sozialdienste teilweise auch den Kontakt zu Pflegeberatern herstellen können, die dann Auskunft zu Leistungen der Pflegekassen geben. Auch bei Krebsberatungsstellen werden Sie umfangreich beraten oder an die passenden Stellen weitergeleitet.

Wann gilt ein Mensch als pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsrechts?

Pflegebedürftig im Sinne des 11. Sozialgesetzbuchs sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Für die Gewährung von Leistungen nach diesem Gesetz sind pflegebedürftige Personen einer Pflegestufe (Stufe 0-III) zuzuordnen:

Leistungen aus der Pflegeversicherung müssen beantragt werden. Vorausgesetzt werden eine Pflegebedürftigkeit und eine Mitgliedschaft in einer Pflegekasse für eine bestimmte Mindestzeit (siehe dazu § 33 SGB XI).

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft, ob die Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit vorliegen, und nimmt die Einstufung in eine Pflegestufe vor. Genaueres ergibt sich aus den Richtlinien des Spitzenverbands Bund der Pflegekassen. Die Pflegestufen bauen sich wie folgt auf:

Pflegestufe 0:

Personen, die einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung haben, der nicht das Ausmaß der Pflegestufe I erreicht, mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung oder die von der Pflegekasse beauftragten Gutachter im Rahmen einer Begutachtung als Folge der Krankheit oder Behinderung Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens festgestellt haben, die dauerhaft zu einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz geführt haben.

Pflegestufe I:

Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erhebliche Pflegebedürftigkeit) sind Personen, die bei der Körperpflege, Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II:

Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftigkeit) sind Personen, die bei der Körperpflege, Ernährung oder Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und darüber hinaus mehrmals in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III:

Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftigkeit) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr auch nachts der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.

Bei Kindern ist der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind für die Zuordnung maßgebend.

  • Härtefallregelung: In besonders gelagerten Einzelfällen können Pflegebedürftigen der Pflegestufe III zur Vermeidung von Härten zusätzliche Pflegeeinsätze gewährt werden, wenn ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand vorliegt, der das übliche Maß der Pflegestufe III weit übersteigt. Ein Härtefall kann beispielsweise im Endstadium einer Krebserkrankung gegeben sein, wenn regelmäßig mehrfach auch in der Nacht Hilfe geleistet werden muss.

Die Politik will in einem zweiten Pflegestärkungsgesetz im Jahr 2015 das System der Pflegestufen flexibilisieren. Angedacht sind fünf verschiedene Stufen, deren Zuordnung patientenindividueller ausgestaltet werden soll. Die politischen Entwicklungen sind insoweit im Auge zu behalten.

Es gibt verschiedene Pflegeleistungen, die in Abhängigkeit von der festgestellten Pflegestufe in unterschiedlicher Höhe bezahlt bzw. bezuschusst werden. Es ist zu beachten, dass Besonderheiten gelten, wenn sich der Pflegebedürftige im Ausland aufhält.

Die Leistungen umfassen grundsätzlich die häusliche oder die (teil-)stationäre Pflege als Pflegesachleistung. Für die häusliche Pflege können Sie auch ein Pflegegeld in Anspruch nehmen, mit dem Sie zum Beispiel eine geeignete private Pflegeperson oder einen pflegenden Angehörigen bezuschussen können. Neben der Kostenübernahme für pflegende Personen gewährt die Pflegekasse auch Pflegehilfsmittel. Sach- und Geldleistungen können auch kombiniert werden.

In welchem Umfang die Kosten für bestimmte Leistungen übernommen werden, sollten Sie mit Ihrer Kranken- und Pflegeversicherung abklären.

Bei der stationären Pflege übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für die pflegebedingten Aufwendungen. Für ihre Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim müssen die Betroffenen selbst aufkommen. Wenn zum Beispiel die Rente nicht ausreicht, um die noch anfallenden Kosten damit zu decken, ist zu klären, ob entweder ein Unterhaltsanspruch gegen einen Familienangehörigen besteht oder über das Sozialamt Sozialhilfe zu beantragen ist.

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation haben immer Vorrang vor Leistungen aus der Pflegeversicherung. Mit medizinischer Rehabilitation soll Pflegebedürftigkeit vermieden werden.

Wohnraumanpassungen zur Erleichterung der Pflege

Das wohnliche Umfeld eines Pflegebedürftigen kann durch verschiedenste bauliche Maßnahmen an die Pflegesituation angepasst werden. Voraussetzung für eine Bezuschussung durch die Pflegekasse ist, dass dadurch die Pflege zuhause ermöglicht und die selbstständige Lebensführung erleichtert wird.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen zu den finanziellen Regelungen bieten das Bundesministerium für Gesundheit im „Ratgeber für Pflege“ und der blaue Ratgeber der Deutschen Krebshilfe „Wegweiser zu Sozialleistungen“. Das Sozialgesetzbuch 11 ist die Rechtsgrundlage für Pflegleistungen. Auch dort können Sie Einzelheiten nachlesen.

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