Der PSA-Test – Lebensretter mit Fragezeichen Krebshilfe Krebserkennung Krebsfrüherkennung

Die Bestimmung des PSA-Wertes zur Früherkennung von Prostatakrebs

Der PSA-Test – Lebensretter mit Fragezeichen

Prostatakrebs gehört zu der am häufigsten auftretenden Krebsart bei Männern. Entdeckt wird er zumeist im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung. In der Regel erfolgt dabei der sogenannte PSA-Test. Hier stößt man jedoch häufig auf widersprüchliche Informationen und Empfehlungen. Bietet der PSA-Test eine sichere Grundlage zur Erkennung von Prostatakrebs? Oder führt er zu einer unnötigen „Überdiagnose“?

Bei einem PSA-Test wird der Anteil, das sogenannte „prostataspezifische Antigen“, ein Eiweiß im Blut gemessen. „PSA wird in der Prostata gebildet und befindet sich in hoher Konzentration in der Samenflüssigkeit. In deutlich geringerer Konzentration kann PSA auch im Blut gemessen werden“, erklärt Dr. Jochen Schiffers, niedergelassener Facharzt für Urologie und ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet.

Prinzipiell wird Männern ab 45 Jahren eine Früherkennung per Tastuntersuchung sowie eine PSA-Bestimmung von der Deutschen Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Krebsgesellschaft in der S3-Leitlinie Prostatakrebs empfohlen. Voraussetzung ist eine ausreichende Aufklärung über die Vor- und Nachteile durch einen Facharzt. Die Kosten werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, sondern vom Patienten als individuelle Gesundheitsleistung selbst bezahlt. „Einen festgelegten Normalbereich des PSA-Wertes gibt es nicht. In der Regel besteht ab einem Wert von 4 ng/ml weiterer Klärungsbedarf. Im Einzelfall – vor allem bei jungen Männern – bedarf aber auch ein niedriger PSA-Wert einer engmaschigen Überwachung", betont Dr. Schiffers.

Der PSA-Wert kann jedoch auch bei gesunden Männern erhöht sein. So kann sogar durch Druck auf die Prostata der PSA-Wert bereits ansteigen. „PSA kommt im Gewebe der Prostata natürlich vor und ist daher kein reiner Tumormarker, da es naturgemäß auch beim Prostata-Gesunden nachweisbar ist. Beeinflusst wird der PSA-Wert unter anderem von der Prostatagröße - welche meist im Alter zunimmt - durch Medikamente, Erkrankungen und Reizungen der Prostata. Der PSA-Wert kann jedoch auch bei Erkrankungen der Prostata erhöht sein – wie zum Beispiel bei der gutartigen Prostatavergrößerung oder bei einer Entzündung der Prostata – aber auch bei Prostatakrebs", erklärt Dr. Schiffers.

Testen oder lieber nicht?

Die frühzeitige Erkennung einer Krebserkrankung kann Leben retten – oder zumindest verlängern. Doch über den Nutzen und die Sinnhaftigkeit der PSA-Bestimmung wird in der Fachwelt derzeit heiß diskutiert. Gegner des PSA-Tests befürchten eine „Überdiagnose“ des Prostatakrebses. Denn nicht jeder Krebs muss auch zwangsläufig behandelt werden. Auch kann es sein, dass ein erhöhter PSA-Wert vorliegt, jedoch kein Prostatakrebs nachgewiesen wird und somit ein falscher Alarm ausgelöst wird.

Herr Dr. Schiffers weiß, dass ein erhöhter PSA-Wert bei den betroffenen Patienten und dessen Angehörigen erhebliche Ängste auslösen kann. „Dies und die Tatsache, dass in dem zurückliegenden Jahrzehnt bei einigen Männern, bei denen ein Prostatakrebs diagnostiziert worden ist, die durchgeführte Therapie nicht unbedingt nötig gewesen ist bzw. zu erheblichen Komplikationen geführt hat, sind unbestreitbare Nachteile einer PSA-Bestimmung.“

Jedoch bestehe laut Dr. Schiffers keine Gefahr einer sogenannten „Überdiagnose“, sofern der PSA-Wert urologisch fachkundig und differenziert bewertet wird. Herr Dr. Schiffers ist bereits seit vielen Jahren in diesem Fachgebiet tätig und bezeichnet sich selbst als einen „kritisch denkenden Befürworter“ der PSA-Bestimmung im Rahmen der Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Mann.

Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen

Die beiden größten Studien, die zum PSA-Test durchgeführt wurden unterscheiden sich in einigen Punkten: So hat eine in den USA durchgeführte Studie1 ergeben, dass ein PSA-Test im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung keinen Überlebensvorteil für die Betroffenen bringt. Die Ergebnisse dieser Studie werden jedoch derzeit erneut bewertet, da sich herausgestellt hat, dass bei Patienten im Kontrollarm der Studie eine höhere Rate an PSA-Testungen vorhanden war als im Screening-Arm, sodass die Empfehlung gegen eine PSA-basierte Früherkennung auf einer fehlerhaften Bewertung beruht.

Eine europäische Studie2 zeigte durchaus einen solchen Effekt: Hiernach senkt ein PSA-Test die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu sterben um 20 Prozent.

„Grundsätzlich sollen Männer über die Vor- und Nachteile der Früherkennungsmaßnahmen aufgeklärt werden, insbesondere über die Aussagekraft von positiven und negativen Testergebnissen sowie über gegebenenfalls erforderliche weitere Maßnahmen“, erklärt Dr. Schiffers. Eine Alternative zum PSA-Test gebe es nach Aussage des Experten nicht. „Insbesondere stellt eine MRT-Untersuchung der Prostata keine Krebsfrüherkennungsuntersuchung dar.“

Früher entdeckt – besser behandelt

Die Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test ist also nicht immer einfach und sollte mit bestem Wissen und Gewissen ganz individuell entschieden werden. Jedoch gilt: Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser lässt er sich behandeln.

„PSA ist derzeit der wichtigste Marker in der Urologie bzw. stellt den empfindlichsten Parameter in der Diagnostik des Prostatakrebses dar. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung führe ich sowohl bei meinen Brüdern, als auch bei mir regelmäßig einmal im Jahr eine Bestimmung des PSA-Wertes durch“, resümiert Dr. Schiffers.

Mehr Informationen zur Früherkennung bei Prostatakrebs bietet die Kampagne „Deine Manndeckung“. Hier finden Sie alles rund um das Thema Prostatakrebs – von der Früherkennungsuntersuchung bis hin zu regionalen Veranstaltungen, bei welchen Sie sich gemeinsam mit Experten über die Früherkennung von Prostatakrebs sowie weitere Männerthemen wie Fußball austauschen können. Mehr Aufschluss zur Bestimmung des PSA-Wertes finden Sie außerdem in der Broschüre „Erhöhter PSA-Wert

 

1 Andriole GL et al., N Engl J Med 2009, Mortality results from a randomized prostate-cancer screening trial; 360(13):1310-9

2 Schröder FH et al., N Engl J Med 2009, Screening and prostate-cancer mortality in a randomized European study; 360(13):1320-8

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